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Stefan Troebst (SFB 1199/GWZO Leipzig, Germany)

Bürgerkriegsflüchtlinge aus Griechenland und Strategien der Verteilung zu Beginn des Kalten Krieges

SFB Colloquium | Wednesday, 08 June 2016  | 05:15 pm
Date: Wednesday, 08 June 2016  | 05:15 pm - 06:45 pm
Location: GWZO | Specks Hof, Entrance A, 4th Floor | Reichsstraße 4–6 | 04109 Leipzig
Organization: Collaborative Research Centre (SFB) 1199: “Processes of Spatialization under the Global Condition” (Germany)
Centre for Area Studies (U Leipzig, Germany)
Centre for the History and Culture of East Central Europe (at U Leipzig, Germany)
Leibniz Institute for Regional Geography (Leipzig, Germany)

Summary
As part of the SFB Public Colloquium, Stefan Troebst, a professor of Eastern European cultural studies at the University of Leipzig (Germany), will give a summary of the flight of 100,000 pro-communist combatants and civilians during the Greek Civil War of 1946–1949 and discuss the consequences this had for the neighbouring states.


Abstract:
Die Niederlage des republikanischen Lagers und seiner „Demokratischen Armee“ im Griechischen Bürgerkrieg der Jahre 1946-1949 resultierte in Flucht und Vertreibung von ca. 100.000 prokommunistische Kombattanten und Zivilisten, darunter ca. 30.000 Kinder und Jugendliche, in die Nachbarstaaten Albanien und Bulgarien. Das in Budapest ansässige Zentralkomitee für Flüchtlinge (KEPPE) der Griechische Kommunistische Partei im Exil (KKE) organisierte in Koordination mit sowjetischen Stellen die Verteilung der Flüchtlinge auf die UdSSR, die neuen Volksdemokratien Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Albanien und Bulgarien sowie die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands (SBZ). Offiziere und Unteroffiziere wurden mehrheitlich in der Usbekischen Sowjetrepublik angesiedelt, Mannschaften und Zivilpersonen in den Volksdemokratien, Kinder und Jugendliche ebenfalls dort sowie in der SBZ/DDR. Von den Flüchtlingslagern in Bulgarien aus erfolgte die Verteilung per Bahn nach Sachsen, Mähren, in die Puszta und in die Walachei, von denen in Albanien aus per Schiff über Mittelmeer, Nord- und Ostsee nach Pommern und Niederschlesien. Während über die Entscheidungsprozesse bei der Verteilung der Flüchtlinge nur wenig bekannt ist, ist deutlich erkennbar, dass jedes Aufnahmeland eigene Strategien im Umgang mit den Zwangsmigranten, die je zur Hälfte slavophone Makedonier und griechischsprachige Hellenen waren, entwickelte. Währen die Erstgenannten ab 1958 die Möglichkeit zur Übersiedlung nach Jugoslawien nutzen konnten, bot erst der PASOK-Wahlsieg von 1981 den Letztgenannten die Option einer Rückkehr nach Griechenland.

Biographical Note:
Stefan Troebst (U Leipzig, Germany) has been a professor of Eastern European cultural studies at the University of Leipzig (Germany) since 1999. He organizes and supervises the European Studies MA programme at the Global and European Studies Institute (GESI, U Leipzig, Germany) and is the acting director of the Centre for the History and Culture of East-Central Europe (GWZO). His research deals with the history of Eastern Europe and its international connections, from the early modern period to the present day. Together with Hannes Siegrist (Institute for the Study of Culture, U Leipzig, Germany), he is editor of the book series Moderne europäische Geschichte.