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Heidrun Zinecker (SFB 1199/U Leipzig, Germany)

(Re-)Migrationen und Diaspora in translokalen Räumen: Das Beispiel der Mara

SFB Colloquium | Wednesday, 15 June 2016  | 05:15 pm
Date: Wednesday, 15 June 2016  | 05:15 pm - 06:45 pm
Location: GWZO | Specks Hof, Entrance A, 4th Floor | Reichsstraße 4–6 | 04109 Leipzig
Organization: Collaborative Research Centre (SFB) 1199: “Processes of Spatialization under the Global Condition” (Germany)
Centre for Area Studies (U Leipzig, Germany)
Centre for the History and Culture of East Central Europe (at U Leipzig, Germany)
Leibniz Institute for Regional Geography (Leipzig, Germany)

Abstract
Maras sind besonders robuste, gewalttätige und grenzüberschreitende Jugendbanden in den Americas und in Europa. Der Staat ist in ihrer Strategie kein Bezugspunkt, obgleich sie sich auf der Folie staatlicher Territorien ausbreiten und staatliche Grenzen überschreiten. Ihre beiden relevanten Bezugspunkte sind hingegen transnationale Ausbreitung und lokale Verwurzelung. Deshalb werden sie hier als Produzenten translokaler Gewalträume bezeichnet. Dabei mirgrieren Mareros nicht nur (aus Zentralamerika in die USA), sondern sie remigrieren auch (aus den USA nach Zentralamerika), weil sie oft aus den Vereinigten Staaten als "indocumentados" ausgewiesen werden. Dann aber veranlassen sie Zentralamerika oft erneut, um in die USA zu re-re-migrieren. Denn sie müssen oder wollen der Gewalt konkurrierender Maras und der Regierungspolitik der "mano dura", aber auch dem Gefühl der Fremdheit im eigenen Land entfliehen. Es vollzieht sich also ein Re-Re....Migrations-Zirkel.

Wenn Diaspora im weiten Sinne (also nicht entsprechend dem für jüdische Diaspora zuteffenden, engen Kriteriums eines "sacred homelands", das Maras natürlich nicht haben) bestimmt wird, sind Mareros eine solche. Aber - als gewaltkriminelle Akteure, die sie auch sind - sind sie eine Diaspora sui generis. In ihrer sich mehrfach, in beide Richtungen, wiederholenden Bewegung (als Migranten), aber auch in ihrem längerem Verweilen an Orten (als Diaspora) "markieren" Maras transnationale Gewalträume.

Der Vortrag will diese Verbindung zwischen Migration, Diaspora und Raumproduktion herstellen, um dann Überlegungen zu formulieren, auf welcher Theoriegrundlage eine Bestimmung der Maras als spezifisches Raumformat möglich sein könnte.


Biographical Note

Heidrun Zinecker is a professor at the chair of international relations at the Institute of Political Science (U Leipzig, Germany). Having trained as a philosopher at the University of Leningrad (Russia), she holds a PhD and habilitation from the University of Leipzig (Germany). Heidrun Zinecker has conducted field research in Colombia, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, and Mexico. She has also been a visiting fellow at many foreign universities: the National University of Columbia (Bogotá, Columbia), the University of Havana (Cuba), St Antony’s College at the University of Oxford (UK), the Complutense University of Madrid (Spain), the Teresa Lozano Long Institute of Latin American Studies at the University of Texas at Austin (USA), the University of California, Santa Barbara (USA), and the Jagiellonian University (Krakow, Poland).