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Konzeptionsphase für das Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt bewilligt

Contact Christine Tonscheidt
Tel. +49 341 9737882
christine.Tonscheidt(at)uni-leipzig.de

Gemeinsam mit zehn weiteren Institutionen erarbeitet das Centre for Area Studies (CAS) der Universität Leipzig ein Konzept für ein "Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt". Das Projekt sieht neben der konzeptionellen Arbeit erste Veranstaltungen des zu gründenden Instituts vor. Das CAS koordiniert die Konzeptphase gemeinsam mit den Universitäten Frankfurt am Main und Bremen. In den ersten Monaten werden Kooperationsbeziehungen zwischen den elf Standorten entwickelt, die das thematische und methodische Gerüst des künftigen Instituts bilden werden.

 

Geplantes Forschungsprogramm am Standort Leipzig

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe am Standort Leipzig geht den Herausforderungen der gesellschaftlichen Kohäsion durch populistische Bewegungen und Regimes seit dem späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart nach und konzentriert sich dabei auf vier Fragen:

  • Wie reagierten und reagieren solche Bewegungen, Parteien, Regimes auf historisch je spezifische Konstellationen globaler Verflechtungen und wie stellen sie sich zu einem liberalen Entwurf von Globalisierung?
  • Wie verflechten sie sich transnational und transregional, bilden Allianzen und lernen voneinander?
  • Wie werden Teile dieser populistischen Agenden von anderen politischen Strömungen aufgegriffen und in das eigene Repertoire inkorporiert?
  • Welchen Erfolg erzielen solche Agenden in den Bevölkerungen, warum und mit welcher gesellschaftlichen Wirkung?

Diese Fragen untersucht die Leipziger Forschungsgruppe mit einem breiten Spektrum an historischen, sozial- und kulturwissenschaftlichen Methoden anhand von Fallstudien für das westliche und östliche Europa, die beiden Amerikas, das subsaharische Afrika und Ost-, Süd- sowie Südostasien vergleichend und mit der Absicht, die Entwicklungen in Deutschland in einen breiteren, letztlich globalen Kontext einzuordnen.

Wir gehen erstens davon aus, dass eine aktuelle Analyse von populistischen Dispositionen (etwa die Kritik an einer „kosmopolitisch-abgehobenen“ Elite) einen komparativen Blick auf ähnliche Prozesse in Europa und darüber hinaus notwendigerweise einschließen muss. Dies impliziert zweitens eine multimethodische empirische Erfassung des Phänomens Populismus und seiner Aufnahme in den Bevölkerungen, wie auch seine Beziehung zum Nachbarphänomen des Extremismus. Drittens erscheint uns eine historisch vertiefende Sicht zwingend erforderlich, weil gesellschaftlicher Zusammenhalt spätestens seit der Aufklärung, die vornehmlich auf die Stärkung und die Eigenverantwortlichkeit von Individuen setzte, immer neu als prekär empfunden wurde und beide Pole jeweils situationsangemessen neu austariert werden mussten. Viertens bedürfen die empirischen Studien des Instituts einer selbstkritisch-historisierenden Bezugnahme darauf, wie schon in früheren Jahren und Jahrzehnten vergleichbare Zeitdiagnosen befragt und ausgewertet wurden bzw. welche politischen Reaktionen darauf erfolgten.

Dieser Fokus wird komplementiert durch die Mitwirkung der Leipziger Forschungsgruppe an der regional vergleichenden Datenerhebung zu Indikatoren des gesellschaftlichen Zusammenhalts, am vielgestaltigen Wissenstransfer und der partizipativen Forschung mit Funktionsträgern, Lehrern und Medienakteuren. Dabei wird das Ziel verfolgt, Vorschläge zur Neukonstituierung gesellschaftlichen Zusammenhalts unter den Bedingungen einer offenen, sich international vernetzenden und rasch wandelnden Gesellschaft zu formulieren. 

 

Mitarbeiter*innen der Forschungsgruppe Leipzig:

Sprecher:

 

Projektkoordinatorinnen:

  • Christine Tonscheidt
  • Antje Zettler

  

Link zur Pressemitteilung des BMBF

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat für den Aufbau des „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ einen Verbund aus Hochschul- und Forschungsinstituten ausgewählt. Elf Einrichtungen aus zehn Bundesländern sollen gemeinsam ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur für das dezentral angelegte Institut erarbeiten. Die Entscheidung fiel in einem wissenschaftsgeleiteten Wettbewerb. 

www.bmbf.de/de/institut-fuer-gesellschaftlichen-zusammenhalt-startet-7044.html

 

Übersicht der für die Vorphase ausgewählten Einrichtungen:

Für den Verbund ausgewählt wurden neben der Universität Leipzig die Technische Universität Berlin sowie die Universitäten Bielefeld, Bremen, Frankfurt/Main, Halle-Wittenberg, Hannover, Konstanz als auch das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen, das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung Hamburg und das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena.

Einrichtung Hauptantragsteller
Technische Universität Berlin,
Zentrum für Antisemitismusforschung
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum
Universität Bielefeld,
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Prof. Dr. Andreas Zick
Universität Bremen,
SOCIUM
Prof.  Dr. Olaf Groh-Samberg,
Prof.  Dr. Uwe Schimank
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main,
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften – Institut für Politikwissenschaft
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff,
Prof. Dr. Daniela Grunow,
Prof. Dr. Rainer Forst
Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen Prof. Dr. Berthold Vogel 
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Prof. Dr. Reinhold Sackmann
Hans-Bredow-Institut für Medienforschung Hamburg Prof. Dr. Uwe Hasebrink 
Leibniz Universität Hannover,
Leibniz Forschungszentrum TRUST
Prof. Dr. Peter Dirksmeier 
Amadeu Antonio Stiftung,
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena
Dr. Matthias Quent 
Universität Konstanz,
Fachbereich Rechtswissenschaft
Prof. Dr. Daniel Thym 
Universität Leipzig,
Centre for Area Studies
Prof. Dr. Matthias Middell,
Prof. Dr. Dirk van Laak,
Prof. Dr. Gert Pickel