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Tango in Paris und Berlin. Eine transnationale Geschichte der Metropolenkultur um 1900

Kerstin Lange (Germany)
Publication Date2015
PublicationTransnationale Geschichte, No. 5
PublisherVandenhoeck&Ruprecht
LanguageGerman
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Summary: Kerstin Lange, historian and freelance author, analyses in her recently published book the cultural transfer of traditions in a new context at the turn of the century. The importation of the Argentinian tango in the metropolises Paris and Berlin exemplarily demonstrates the process of transferring old traditions in a new context while discussing the conflicts and challenges as well as the most important actors and the interaction of the cities bringing the “world to the cities”.


Abstract: Die populäre Kultur der Metropole zeichnete sich in Paris und Berlin um 1900 durch zunehmende globale Verflechtungen und grenzüberschreitende Austauschprozesse aus. Die internationalen Programme der Theater, Music Halls und Weltausstellungen, beschleunigte Verkehrswege und technische Neuerungen sowie die Mobilität von Unternehmern und Künstlern, führten dazu, dass sich dem Publikum »die Welt« in der Stadt als kultureller Erfahrungshorizont öffnete. Vor diesem Hintergrund zeigt die Geschichte des Kulturtransfers des argentinischen Tango von Buenos Aires nach Paris und Berlin beispielhaft den Prozess der Aneignung eines kulturellen Imports in einem neuen Kontext. Im Fokus stehen dabei die vielfältigen Akteure des Transfers sowie die Konflikte und Herausforderungen, die mit der Rezeption des Tanzes und seiner Integration in das Repertoire der beiden Städte einhergingen. Die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um eine entstehende Massenkultur in den Großstädten gehören zu den zentralen Elementen einer Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Gerade die transnationalen Dimensionen der Metropolenkultur, so die zentrale Annahme, warfen dabei grundsätzliche Fragen nationaler und kultureller Identitäten auf. Metropolen waren hierbei Portale, die nicht nur eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Verbreitung populärer Kultur einnahmen, sondern darüber hinaus zu Orten der machtvollen Kontrolle, aber auch des Lernens und der Verarbeitung globaler Erfahrungen wurden. Paris und Berlin, so zeigt das Buch am Beispiel des Tango, standen dabei in einem ständigen Verhältnis der Beobachtung, des Austausches und der Konkurrenz. Metropolenkultur ist damit als eine genuin transnationale zu verstehen, die sich entlang vielfältiger Austauschbeziehungen und wechselseitiger Bezugnahmen der Städte untereinander und in der Auseinandersetzung mit »der Welt in der Stadt« konstituierte.

Biographical Note: Kerstin Lange, historian and freelance author, obtained her doctoral degree at the Global and European Studies Institute (U Leipzig, Germany). Formerly she was research assistant at the DFG project ''Metropole und Vergnügungskultur. Berlin im transnationalen Vergleich 1880-1930'' at the Friedrich Meinecke Institut (FU Berlin, Germany)